Leider ungeliebt: der Lokaljournalismus

Wilhelm Schütte
Wilhelm Schütte

Von Andreas Volesky
 
Mit dem Lokaljournalismus ist das so eine Sache. Fast  jeder, der sich zum Schreiben berufen fühlt meint, im "Großen und Ganzen" liege die Erfüllung. Als "Schreiberling" wird man von den Prominenten und großen Tieren eingeladen, geht ständig auf Party´s oder, wie man heute sagt: "Events". Anschließend schreibt man ein paar Worte über das, was einem an diesem Abend so passiert ist und fertig ist der preisverdächtige Artikel... Besonders die Nähe zu Politikern und den "Wirtschaftskapitänen" wirkt auf diese anziehend, wie ein Stück Metall auf einen Magneten. Hier verspricht man sich,  an dem "Sonnenschein" der "Reichen" und "Schönen" teilhaftig zu werden.  Ist obiges wirklich so?
Egon Erwin Kisch war Vorbild
Vorbild aller Reporter dieser Welt ist und bleibt Egon Erwin Kisch. Sein "Geschreibsel" ist legendär. Eben dieser war es der sagte: "Nichts ist erregender als die Wahrheit"!  Wo ist diese Wahrheit zu finden? Nun, wir sind uns wohl darüber im Klaren, dass in der Politik oder der unmoralischen Welt der Hochfinanz genau diese Wahrheit nicht zu finden ist.  Wo denn dann? Man stelle sich die  Frage: "Wenn ich die Zeitung lese, was schlage ich als erstes auf und wo fange ich an zu lesen?" Genau! Am wichtigsten ist das, was uns persönlich betrifft. Das können natürlich  Nachrichten aus der großen Politik sein, oder man schlägt den Sportteil auf. Das wird einem aber in jedem Medium heutiger Zeit warm und breit erklärt. Manchmal kann man es schon nicht mehr hören und schaltet Radio oder TV - Gerät ab oder surft auf eine andere Seite im Netz..
 
Apropos...
Hier ein Link, der hilft, meine Einstellung zum Lokaljournalismus besser zu verstehen:
http://www.das-blv.de/elkat/100811/html/10029.html
Der Titel lautet: "Wir sind an den Menschen dran".
 
 
Eine, oder sollte ich sagen die große Bremer Tageszeitung macht Werbung mit den Worten: "Näher geht nicht" und meint, genau die Berichterstattung zu machen, welche die Leser wollen. Hier kann ich nur zustimmen! Mit ihren Lokalausgaben wie "Der Norddeutschen" oder dem "Osterholzer Kreisblatt" im Mantel des "Weser Kurier", sind die dortigen Mitarbeiter auf dem richtigen Weg.
Arbeit in der Lokalredaktion
An dieser Stelle gebe ich mal ein kleines Geheimnis preis: Ständig wird in den Redaktionen darüber geredet, den Inhalt der Lokalausgaben zu verbessern. Besonders möchte ich hier meinen "Lehrmeister" Harry Laube erwähnen. Mit harten aber bestimmten Worten war er es, der mich formte. Manchmal bis morgens um ein Uhr, während unserer Arbeit beim Zeitungsumbruch am Rechner. "Gehe mit offenen Augen durch die Stadtteile und höre den Menschen zu, was sie bewegt!"  "Lass dieses dann im Kopf kreisen und suche Dir die wichtigen Fakten zum Thema. Danach schreibe in aller Ruhe Deinen Artikel".

Inspiration, die richtigen Worte zu finden, fand ich stets bei meinem Freund Wilhelm Schütte (obiges Bild). Dieser arbeitet seit vierzig Jahren in der Lokalredaktion mit. Für Ihn ist wichtig, für die Leser zu schreiben. Es macht keinen Sinn, mit hochgestochenen Worten -  die möglicherweise von anderen  Journalisten hoch gelobt werden - an den Menschen vorbei zu schreiben. Diese sind es doch, die letztendlich am Kiosk die Zeitung kaufen oder gar ein Abo besitzen und somit einen Teil unserer Arbeit finanzieren!  Viele Leser - hohe Auflage...hohe Auflage - gesichertes Einkommem!
Meldung, Bericht oder Artikel?
Machen wir uns nichts vor: Lokaljournalismus ist harte Arbeit. Sehr oft ertappe ich mich dabei, einfach mal so abzuschalten. Auch zwischendurch. Ständig ist man auf der Suche nach Themen, führt viele, viele Gespräche und versucht, all das in Worte zu fassen. Hinzu kommen die Veranstaltungseinladungen. In der Frühjahr- und Herbsthochzeit langt eine Woche oft nicht. Man fängt am Montag um 8Uhr an und Sonntags um 22Uhr ist man immer noch beschäftigt. Dann sind Veranstaltungen auf lokaler Ebene die "Freizeit", über die man dann einen Bericht schreibt. Oder einen Artikel?  Wo ist der Unterschied?
Artikel sind lang, zeigen Hintergrundinformation auf und sind in der Regel dazu bestimmt, den Leser auch einmal zum Nachdenken zu bringen. Ein Bericht beschreibt nur die erlebte Tatsache und hat bei den Fakten zu bleiben. Meldungen beinhalten nur die fünf "W": Wer,was,wann,wo und wieso,weshalb,warum".
Ist man freier Journalist und arbeitet auf Honorarbasis, möchte man natürlich nur Artikel schreiben. Je mehr Zeilen, dasto mehr Einkommen. Kommt noch ein Foto hinzu, wunderbar! Leider wird von den Redakteuren nach Gusto jeder Artikel so gekürzt, wie es am Besten passt. Es müssen ja die Anzeigen zuerst untergebracht werden. Also schreibt man immer viel - um des Einkommens wegen.
Oder, wie es neuerdings in der Branche üblich ist, es wird ein Bericht geschrieben, der von dem Berichteten mit einer Anzeige flankiert wird.
Wie geht es weiter?
Am Grundhandwerk wird sich wohl wenig ändern. Es ist an der schreibenden Zunft, hier aufzupassen, sich nicht  von den "Geldleuten" vereinnahmen zu lassen. Letzteres gilt auch für "vox populi". Sinn des Lokaljournalismus ist, von Menschen und über Menschen zu schreiben. Was für sie wichtig ist und was nicht. Das ist die ganze Kunst.
Und die Politiker? Sind diese nicht eine Gruppe von Menschen, die sich viel zu wichtig nehmen?
Bezogen auf das Lokale kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Die politischen Richtungen verschmelzen zu einer Einheit. Auch Lokalpolitiker wollen für die Menschen  in ihrer jeweiligen Region "das Beste" rausholen. Die Farben der Parteien "verwischen" hier oft.
Oft wird im Lokalen nur noch gemekkert. Alle machen es den Ziegen nach. Die Aufgabe des Lokaljournalisten ist es hier, zu vermitteln und nicht nur darüber zu schreiben. Auch die durch unsere Steuergelder von uns finanzierten Lokalpolitiker sind Menschen und Väter und Mütter und Unternehmer und Lehrer und Arbeiter oder Beamte.
Machen diese etwas falsch, muss darüber geschrieben werden. wird jedoch von diesen etwas Gutes bewirkt, fällt das leider zu oft unter den Redaktionstisch.


Also: Es gibt im Lokaljournalismus viel zu tun. Packen wir es an...



Eine Reportage vom Feinsten findet man hier:

Abspecken mit Spaß! Geht das?
Eine Reportage über die Gewichtsreduzierung bei einem Mann, die tatsächlich nachhaltig funktionierte! Also liebe Damen: ANSTRENGEN!
Dominique_Teil_I.pdf
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